Sehr geehrter Herr Regierungspräsident,
Sehr geehrte Herren Regierungsräte

 

Die Covid-19-Krise und insbesondere die behördlich verordneten Massnahmen treffen uns als Gesellschaft teilweise sehr hart und leider – das muss man offen gestehen – stösst der politische Aktivismus des Bundesrates, aber auch der Kantonsregierungen, auf Unverständnis. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gelten hinsichtlich einer Ansteckung mit Covid-19 und dem Krankheitsverlauf als kaum gefährdet, dennoch sind sie von den geltenden Einschränkungen überdurchschnittlich stark betroffen.

Mit welchen Auswirkungen junge Menschen in der Schweiz zu kämpfen haben, wurde in den letzten Wochen von verschiedenen Jugendorganisationen, Verbänden, Fachpersonen und engagierten Leuten thematisiert. Der Bundesrat und die breite Öffentlichkeit wurden darüber informiert, dass Kinder und Jugendliche aufgrund der Corona-Pandemie häufiger depressive Symptome aufweisen, aufgrund der zunehmenden häuslichen Gewalt Schaden nehmen können, sich nicht optimal vom Elternhaus ablösen und kaum neue Kontakte bzw. Freundschaften knüpfen können. Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf das Schreiben der Eidg. Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) vom 12. Februar 2021 an den Bundesrat [i]. Diesen Appell möchten wir nun auch an Sie, geschätzte Herren Regierungsräte, weiterleiten und Sie bitten, alles Erdenkliche zu tun, um die Situation von Kindern und Jugendlichen rasch zu verbessern.

Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre sollen wieder an Sporttrainings, Freizeit- und Vereinsaktivitäten teilnehmen können.

Am 17. Februar 2021 hat der Bundesrat seine weiteren Schritte in Sachen Corona-Politik vorgestellt und dabei erste positive Signale an die jungen Menschen gesendet. Wir sind erfreut darüber, dass der Bundesrat einerseits Verbesserungen beabsichtigt und andererseits die Jungen direkt angesprochen hat. Der unermüdliche Einsatz vieler Organisationen und Engagierten hat sich zumindest teilweise ausbezahlt, doch wir möchten festhalten, dass uns diese Verbesserungsmassnahmen nicht genügen und wir Sie daher inständig bitten, sich im Rahmen der Konsultation für folgende Nachbesserungen einzusetzen:

 

  1. Auch 18- bis 25-Jährige – und nicht nur 16- bis 18-Jährige – sollen den unter 16-Jährigen in Bezug auf die Personenbeschränkungen bei sportlichen und kulturellen Veranstaltungen gleichgestellt werden. Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre sollen wieder an Sporttrainings, Freizeit- und Vereinsaktivitäten teilnehmen können.
  2. Die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen wieder überall zugänglich gemacht werden. Dieser Vorschlag ist zu unterstützen, wobei anzufügen ist, dass die Kantone in der dringenden Verantwortung stehen, für die Aufrechterhaltung dieser Angebote zu sorgen.

 

Darüber hinaus möchten wir Sie bitten, Ihre Möglichkeiten im Bereich der kantonalen Massnahmen vollumfänglich auszuschöpfen, um die Situation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Konkret bedeutet das, für die Aufrechterhaltung von Sport- und Kulturangeboten zu sorgen, Gemeinden aufzufordern, ihre offene Jugendarbeit fortzuführen oder wieder zu öffnen, Vereinsaktivitäten wie Sporttrainings für unter 25-Jährige explizit zu erlauben und geeignete Massnahmen im Bereich der Berufsbildung zu ergreifen, um den jungen Menschen einen erfolgreichen Berufseinstieg (Schnuppermöglichkeiten) und  Berufsabschluss zu ermöglichen. Hinsichtlich Maskenpflicht auf Primarstufe bitten wir Sie, diese nur lokal und temporär zu verfügen, wenn es die epidemiologische Lage tatsächlich erfordert.

Wir sind uns bewusst, dass uns diese Krise noch lange beschäftigen wird und viele Folgen erst zu einem späteren Zeitpunkt auftauchen. Damit die negativen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche möglichst eingedämmt werden können, erwarten wir eine kantonale Post-Covid-Strategie. Nur so können die Folgen rasch erkannt und schliesslich auch erfolgreich bewältigt werden.

Für Ihren Einsatz und Ihre Bemühungen danken wir Ihnen!

Freundliche Grüsse

 

Nicola Stocker, Grossrat-Stv. & Mitglied EKKJ

Valérie Favre Accola, Grossrätin & Präsidentin IG Kinder schützen

Anteo Leonardo Arnold, Gymnasiast

 

Offener Brief an den Regierungsrat